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27. Mai 2021

Heute bewerben sich Unternehmen bei Kandidatinnen und Kandidaten

Auch wenn die Stahlrecyclingindustrie auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite von der aktuellen Wachstumsdelle der Wirtschaft hart getroffen ist: Der Fachkräftemangel trifft die Recycler mit voller Wucht und stellt die Branche vor große personelle Herausforderungen. Zum Artikel von Thomas Tettinger... (SCHROTT - Fachzeitung für Metallrecycling und Autoverwertung, Ausgabe 4/2021)

Heute bewerben sich Unternehmen bei Kandidatinnen und Kandidaten

Auch wenn die Stahlrecyclingindustrie auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite von der aktuellen Wachstumsdelle der Wirtschaft hart getroffen ist:

Der Fachkräftemangel trifft die Recycler mit voller Wucht und stellt die Branche vor große personelle Herausforderungen.

In Deutschland droht in den nächsten Jahrzehnten ein sich weiter verschärfender Fachkräftemangel. Nach einer aktuellen Studie des arbeit-

gebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnten die Unternehmen bis 2040 ohne gezielte Zuwanderung und ein höheres Rentenalter jede achte Fachkraft verlieren. Und dabei sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht einmal berücksichtigt.

Dazu kommt die aktuell wirtschaftlich anspruchsvolle Lage der Stahl- und Metallrecycler:

Eine Rückkehr des Schrottmarkts zum Niveau vor der Corona-Krise erwartet die Hälfte der vom deutschen Branchenverband BDSV befragten Mitgliedsunternehmen erst nach 2021. Im kommenden Jahr erwartet danach ein Drittel der Unternehmen eine bessere Geschäftslage als derzeit, gut die Hälfte geht von einer gleichbleibenden Situation aus.

Thomas Tettinger, Partner der HR-Expertgroup

PERSONALBEDARF UND TECHNISCHE HERAUSFORDERUNGEN

Und noch eine Entwicklung hält die Recycler in Atem: Der verstärkte Einsatz des zum Sekundärrohstoff aufbereiteten Stahlschrotts spielt in der europäischen Stahlbranche auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung eine zentrale Rolle. Hier dürften – anders als beim Einsatz des derzeit fastüberall gehypten Wasserstoffs – vergleichsweise geringe Investitionen und auf Basis jahrzehntelanger Erfahrungen gut umsetzbare Maßnahmen in der gebeutelten Stahlindustrie zu Buche schlagen. Das Steigerungspotenzial beim Schrottverbrauch ist angesichts des hohen Einsparpotenzials an CO2-Emissionen klar. So sieht es auch eine längerfristige Prognose von Worldsteel für die Nachfrage nach klimafreundlichen Stahlschrott.

Diese Entwicklungen sind für die Stahl- und Metallrecycler herausfordernd, vor allem brauchen die Unternehmen langfristig gut ausgebildetes und zuverlässiges Personal. Hier haben nach unseren aktuellen Erfahrungen in der HR-Expertgroup schon viele Unternehmen reagiert und sind bereits aktiv auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ein wesentlicher Grund ist hier der demographische Wandel: Die Generation der Babyboomer geht in Rente und weniger geburtenstarke Jahrgänge rücken nach.

GRÖSSERE UNTERNEHMEN STELLEN BEREITS EIN

In einer aktuellen, nicht repräsentativen Umfrage unserer Beratungsgesellschaft zeigt sich der Trend, dass vor allem größere Entsorger und Recycler dazu neigen, die aktuelle Krise als Chance zu nutzen und bereits jetzt beim Personal aufstocken. Keines der befragten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern will Personal abbauen.

Ganz im Gegenteil: Viele kündigten einen zum Teil deutlichen Personalaufbau an und sehen die Krise offenbar als Chance, ihre Personalprobleme zu lösen. Dabei setzen mit über 40 Prozent der Unternehmen inzwischen ungewöhnlich viele auf Personalberater.

Natürlich, Personalberater kosten Geld. Man setzt sie nur ein, wenn es schwierig ist, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Zugleich aber ein weiteres Indiz für die großen Personalsorgen in der Branche. Und vielleicht auch Indiz dafür, dass über selbst geschaltete Stellenanzeigen heute nur rund 50 Prozent der Stellen besetzt werden können, über Personalberater dagegen weit über 90 Prozent.

Ein Grund dafür ist ganz sicher die Direktansprache der Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht impulsartig eine Stellenanzeige als für sie nicht interessant verwerfen, sondern sachlich und emotional auf den potenziellen Arbeitgeber eingestellt werden. Das belegt auch eine aktuelle Studie der Index Internet und Mediaforschung GmbH.
Denn: In Zeiten des Fachkräftemangels reicht es längst nicht mehr, eine offene Stelle zu inserieren und abzuwarten. Stattdessen gilt es heute, sich als Unternehmen zu bewerben.

Thomas Tettinger ist Partner der HR-Expertgroup für Executive Search & Consulting mit besonderer Expertise im Outplacement und Activeplacement in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft.

Gastbeitrag von Thomas Tettinger in "Schrott" - Fachzeitung für Metallrecycling und Autoverwertung, Ausgabe 4/2021